JordanienNaher Osten

Petra: Gräberdämmerung

Wer nach Jordanien reist, kommt an Petra nicht vorbei. Zurecht, denn Petra ist eines der sieben neuen Weltwunder und hat seinen Besuchern einiges zu bieten.

Anreise Petra: Mit dem Bus von Wadi Rum nach Wadi Musa

Das öffentliche Verkehrsnetz steckt in Jordanien noch in den Kinderschuhen. Allerdings gibt es eine direkte Busverbindung von Rum Village (Wadi Rum) nach Wadi Musa (Petra). Wer also vorher durch Wadi Rum gereist ist, kann von dort aus seine Jordanien Tour nach Petra fortsetzen. Der Bus von Rum Village nach Wadi Musa fährt täglich um 9 Uhr ab – konsultiert am besten euren Guide für den Abfahrtsort und seid pünktlich vor Ort, denn der Minibus ist sehr schnell gefüllt und es gibt keine weitere Busverbindung für den Tag.

Auf dem Weg nach Petra

Die Fahrt von Wadi Rum nach Petra dauert ca. zwei Stunden und führt euch durch die karge Wüstenlandschaft Jordaniens, mit seinen staubigen Straßen und schroffen Berghängen. Bezahlt wird im Bus, 8 JD kostet eine Strecke pro Person (Stand: Dezemer 2017). 

Orientierung in Wadi Musa und Petra

Zunächst einmal zum Verständnis (weil mir das vorher auch nicht wirklich klar war): Es gibt die alte Felsenstadt Petra, die man besichtigt und es gibt das angrenzende Städtchen Wadi Musa, in dem man übernachten kann und von dem aus man seine Ausflüge nach Petra antritt. 

Im Hintergrund: Blick auf Wadi Musa, im Vordergrund: Moskitonetz 😉

Ein Teil von Wadi Musa liegt oben auf einem Berg, der andere kleinere Teil (eine Straße) liegt am Fuß des Berges direkt in der Nähe des Eingangs zu Petra. Man kann sowohl im oberen als auch unteren Teil Wadi Musas übernachten – wobei die günstigeren Varianten eher oben liegen. Zu empfehlen ist etwa das „Cleopetra“ (höhöhö ;-)). Das Personal ist sehr nett, die Zimmer einfach, aber sauber und günstig und sie bieten einen kostenlosen Shuttle zum Eingang von Petra an. Außerdem kann man für wenig Geld Lunchpakete für den Tag kaufen – äußerst praktisch, da es in Petra selbst keine Restaurants gibt.

Apropos Essen: An dieser Stelle gibt es noch einen „Restaurant“- Tipp von mir für Upper Wadi Musa. „Petra Butcher Shop & Restaurant“. Ja, ich weiß, der Name klingt jetzt nicht besonders schön…Aber das Essen ist super! Den Laden haben wir zufällig während unseres kleinen Abendspaziergangs durch Wadi Musa entdeckt. Das Essen ist so unglaublich lecker, total günstig und das Personal ist super lieb! Was man in Jordanien generell immer ganz gut machen kann, ist sich einen Grillteller zu teilen (es sei denn man ist Vegetarier). 

Petra Butcher Shop & Restaurant – wir waren so hungrig, dass wir für das Foto nicht mehr warten konnten #noinstafoodtoday

Alles hat seinen Preis – nur Petra hat zwei

Petra folgt – wie auch beispielsweise viele Sehenswürdigkeiten im Iran – der Logik: Alle Touristen sind unglaublich reich. Deshalb zahlen alle unglaublich reichen Touristen mehr. Das Doppelte. Oder wie in Petra: Das 50-fache. Jap. Wir sind ja alle so reich.

Trotzdem, auch wenn der Eintritt nach Petra euch ein kleines Löchlein in den Budgetbeutel nagt – es lohnt sich. Und am besten geht man direkt mehrere Tage. Denn Petra ist groß, und die Eintrittspresie für Touris sind wie folgt gestaffelt:

1 Tag – 50 JD

2 Tage – 55 JD

3 Tage – 60 JD

Wir waren zwei Tage in Petra und es war eine gute Zeit. Man kann aber auch locker drei Tage gehen, es gibt genug zu sehen, nur wird man irgendwann müde durch die Schlucht dort hin und zurück zu laufen. Einen Tag finde ich persönlich zu kurz! Wenn man schonmal da ist…und wie gesagt, allein preislich lohnt es sich eher, mehrere Tage zu gehen.

Ein Spaziergang durch Petra in Bildern

Petra gilt heute als eine der größten Sehenswürdigkeiten des Nahen Ostens. Die Fassaden der Gebäude wurden direkt in den Fels gemeißelt, was Petra zu einem einzigartigen Kulturdenkmal macht. 

Um nach Petra zu gelangen, muss man durch eine ca. 1,5 Kilometer lange Schlucht (Siq) gehen – aber Vorsicht: Mit unglaublichen Tempo rasen hier kleine Pferdekutschen zwischen den Felswänden entlang – für diejenigen, die nicht laufen möchten oder können. 

Auf dem Weg nach Petra kommen einen viele Pferdekutschen entgegen
Das Lichtspiel in der Schlucht vor Petra

Die Schlucht ist an einigen Stellen bis zu 70 Metern hoch und nur zwei Meter schmal. Der Zugang durch Schlucht hatte den Vorteil, dass die Stadt besser vor Angreifern geschützt war. Es gab nur einen weiteren Zugang – über einen schmalen Bergpfad. 

Am Ende der Schlucht steht man plötzlich vor dem Schatzhaus – das berühmteste Bauwerk Petras. Dabei war dieses Gebäude nie ein Schatzhaus – sondern ein Grab!

…und plötzlich ist man da!

Nur eines der vielen Gräber in Petra. Viele Beduinen vermuteten jedoch versteckte Schätze in der Urne auf der Spitze des Tempels – daher kann man noch heute diverse Einschusslöcher dort sehen, denn die Beduinen versuchten die Urne mit Flintenschüssen aufzubrechen.

Die Felsenstadt Petra ist rund 2.000 Jahre alt. Das Volk der Nabatäer hat die Stadt in den weichen Sandstein gemeißelt. Sie lag für die damalige Zeit an einem strategisch sehr wichtigen Handelspunkt – dort, wo sich die beiden wichtigsten Karawanenwege – Ägypten/Syrien und Arabien/Mittelmeer kreuzten. Dies trug zum Wohlstand und Aufstieg Petras maßgeblich bei.

Ja, Petra wirkt auf den ersten Blick sehr trocken und felsig, wie auch der Rest Jordaniens. Doch die Stadt verfügte in der Antike über eine sehr gute Wasserversorgung. Das Wasser wurde über in den Fels gemeißelte Aquädukte in die Stadt geleitet. 

Für die Bibelfesten unter euch: Der Legende nach soll Petra der Ort gewesen sein, an dem Moses mit dem Schlag seines Stabes eine Quelle aus dem Stein hat sprudeln lassen. Und, jetzt schließt sich der Kreis: Daher heißt die angrenzende Stadt sowie die Region um Petra auch Wadi Musa – zu Deutsch: das Mosestal. 

Das wirklich tolle an Petra ist: Es gibt so viel zu sehen, es gibt so viel Platz und sooo viele Wege und wenn man in der Nebensaison reist und ein paar Schritte abseits der Hauptwege herumstreift ist man plötzlich ganz alleine und hat das Weltwunder sozusagen für sich! Und was ebenfalls auffällt: Es gibt keine Absperrungen. Nichts. Und tadaaa: Es funktioniert!

Ihr könnt zum Beispiel zum „High Place of Sacrifice“ wandern. Tolle Aussicht garantiert – besonders in den frühen Abendstunden! Aber denkt immer an den Rückweg: Es wird schlagartig dunkel!

Auf dem Weg nach oben trifft man viele fröhliche Menschen
Auf dem Weg nach oben trifft man viele fröhliche Menschen – auch wenn ich etwas gequält guck, mir ging es gut!
Blick vom High Place of Sacrifice über Petra

Überall in Petra laufen Beduinen mit Eseln herum – denn wer nicht hochlaufen möchte oder kann, kann für ein paar JDs (unbedingt handeln!) Petra auf dem Eselsrücken erkunden. 

Viele Leute haben uns geraten, sehr früh morgens nach Petra aufzubrechen, da es dann am schönsten sei. Ich persönlich bin da komplett anderer Meinung (here are my 2 cents;-)). Wenn sich die Abendsonne über den Talkessel von Petra legt und die Felswände und feinen Reliefs in ein kräftiges Gold-Gelb taucht – dann ist meines Erachtens die schönste Zeit für Petra. 

Die Katze verschmilzt mit ihrer Umgebung

Und in dieser Abendsonne geht man auf irgendeiner anderen Seite des Berges runter, die man definitiv nicht hergekommen ist….und ist plötzlich ganz allein!

Die Sonne stand schon tief, und um uns herum verwandelte sich alles in eine schaurig-schöne, durch die Sonnenstrahlen rötliche Gräberlandschaft. Die Grabkammern der alten Hochkultur sahen beinahe aus wie Totenköpfe und es lag eine unheimliche Stille über der ehemaligen Hauptstadt des Nabatäerreiches. 

Es war gruselig, aber auch gleichzeitig wunderschön – doch wo waren wir und wie lange hatten wir noch Zeit, den Rückweg zu finden bevor die Sonne hinter dem Horizont verschwinden sollte?

Was mag sich wohl hinter diesem Felseingang verbergen? Ich kann es euch sagen: Ein dunkler Raum, der in einen weiteren dunklen Raum führt.

Ohne zu wissen, wo wir genau waren und ohne eine weitere Menschenseele in Sicht, gingen wir immer weiter, entlang der Gräber und den vielen Katzen, die sich dort tummelten. Als es fast schon dunkel war, erreichten wir glücklicherweise das „Zentrum“ von Petra. Im Dunkeln liefen wir durch den Siq zurück nach Wadi Musa – die hohen Felswände waren in der Dunkelheit ziemlich schaurig.

Am nächsten Tag ging es wieder nach Petra, wieder durch den Siq und vorbei an dem Stand mit dem schlechtesten Kaffee, den ich wahrscheinlich jemals getrunken habe (an der Kurve, kurz bevor ihr links in den Siq hinuntergeht). Egal, wir sind ja nicht zum Kaffeetrinken hier 😉 

Zum Abschluss noch ein paar weitere Eindrücke von Petra, einem wirklich einprägsamen Ort:

Wenn die Sonne am höchsten Punkt steht, kann es ganz schön heiß werden – auch im Dezember!

Blick über den Talkessel von Petra von einem weiteren Opferplatz, etwas abseits gelegen

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