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Ecuador: Total Banane?

Es ist wieder so weit. Wechsel das Landes, der Währung, der Klima- und Vegetationszone. „Nur“ zwanzig Stunden Busfahrt trennen mich von Guayaquil, meinem ersten Ziel in Ecuador. Ich hatte Glück: zwei Sitze für mich ganz allein. Chacka. Das ergibt umgerechnet zwei Stündchen Schlaf gegenüber den handelsüblichen null Stunden. Minütlich unterbrochen von den blutrünstigen und gewaltträchtigen Filmen, die ohne Unterbrechung über den Bildschirm flackeren und ganz bestimmt keine FSK von 6 haben.

Drogenkontrolle an der Grenze zu Ecuador

Nacht. Tag. Wir erreichen Mancora, im Norden von Peru. Hinzu steigt Franziska aus Deutschland. An der ecuadorianischen Grenze reihen wir uns in die stundenlange Schlange ein. Ausreisestempel Peru. Und die nächste Schlange. Einreisestempel Ecuador. Hinter mir höre ich einige Männer über Komplikationen in Kolumbien sprechen und erkundige mich, worum es geht. Die Antwort wird mir anhand eines kleinen Theaterstücks präsentiert. „Was, du reist alleine nach Kolumbien?“ Der eine formt seine Finger zu einer Pistole und mimmt eine Geiselnahme „Wieviel Geld für Tourist aus Deutschland?? Wie viel Geld du zahlen an Farc“. Ich rolle die Augen und gehe zurück zum Bus. Augenrollen ist sehr wichtig.

Am Bus herrscht Chaos. Einige verdächtig erscheinende wahllos herausgefischte Koffer stehen vor dem Bus. Es wird nach Drogen gesucht, halbherzig und viiieeel zu langsam. Dann geht es endlich weiter. Franziska und ich quetschen uns ganz nach vorne in den Bus denn dort hat man einen herrlichen Panoramablick – auf tausende Bananenhaine, und drei Millionen weitere, die auf den Weg nach Guayaquil noch folgen sollten.

Ecuador: Bananen soweit das Auge reicht
Ecuador: Bananen soweit das Auge reicht

Guayaquil: gefährlich? Eher ein heißes Pflaster aufgrund der hohen Temperaturen

Guayaquil wird von vielen nicht beachtet. Es gilt als gefährliche, etwas zwielichtige Hafenstadt und man wechselt meistens nur den Bus am Busbahnhof. Ich mag Guayaquil. Es ist warm und überhaupt nicht zwielichtig, hat nen schönen Malecon (Promenade am Meer) und eine Naturschutzinsel mit Krokodilchen. Sofort fällt auf, dass wir nun in Ecuador sind. Hier lebt ein anderer Schlag von Mensch, offener, interessierter und mit mehr Machogehabe. Jeder will ein Foto mit uns. Circa 15 Fotos (ungelogen) mit Typen, Familien, Kindern, Hunden, Omas – hier werden wir für Amerikanerinnen gehalten. Und alle sind total wild auf die USA. In Ecuador zahlt man mit Dollar – irgendwie ein bisschen seltsam. Aber durchaus sinnvoll, da das Land in den Neunzigern mit seiner alten Währung, dem Sucre, in eine tiefe Finanzkrise stürzte. In Guayaquil ist es bereits karibischer, obwohl wir noch weit von der Karibik entfernt sind. Ich kann nicht glauben, in Shorts herumzulaufen. Nach all den Wochen der Kälte bin ich nun endlich im Sommer angekommen.

Es ist Stadtfest in Guayaquil. Das merkt man, wenn am Abend zuvor alle Nahrungsaufnahmegelegenheiten geschlossen haben und man schließlich total verdattert bei „Wendy’s“ landet. Am Tag selbst gibts viele Paraden und massig Menschen. Wir besuchen die Naturschutzinsel und sehen mehr Haut als Bäume. Für Franziska gehts am nächsten Tag weiter auf die Galapagosinseln. Ich werd versuchen endlich an die Küste zukommen. Ich brauch Sonne, Strand und Meer.

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