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Amazonas: Willkommen im Dschungel

Das Leben im Amazonas findet fast ausschließlich auf und um den Fluss statt. Die beste, oft einzige Möglichkeit den Urwald zu erkunden ist mit dem Boot – durch den Schilf, unter Baumkronen hindurch, bei Regen und knallender Sonne.

Manaus – große, graue Stadt im Dschungel

Der Flieger setzt zur Landung an. Unter uns: Der Amazonas. Und Bäume – viele Bäume! Dann: Ein großer grauer Fleck. Häuser werden erkennbar. Manaus.

Manaus ist nicht schön. In Manaus ranken auch keine dschungelartigen Kletterpflanzen von den Gebäuden. In Manaus stehen auch keine geschnitzten Dschungel-Skulpturen herum und Manaus ist auch keine wilde Dschungelstadt, so wie man das vielleicht erwartet.

Der erste Blick auf Google Maps verrät: Manaus liegt mitten im Amazonasgebiet. Doch bei der Landung setzt die erste Ernüchterung ein – Manaus ist eine gwöhnliche Stadt, nicht mehr, nicht weniger. Fast vergisst man hier, dass an im größten Regenwaldgebiet der Welt ist.

Manaus ist genau genommen leicht hässlich – eben eine Großstadt, grau und modern. Deshalb gilt es, so wenig Zeit wie möglich hier zu verschwenden – denn das was wirklich schön ist, liegt außerhalb der Stadtgrenzen.

Das Opernhaus von Manaus im Zentrum mit dem Hauptplatz ist die schönste Ecke der Stadt

Die abenteuerliche Reise in den Regenwald

Wir wollen keine Zeit verschwenden – für vier Tage wollen wir die Tiefen des Amazonas-Dschungels erkunden. Dazu sollte man, wenn man sein Leben mag und schätzt, eine Tour buchen. Anbieter gibt es in Manaus dafür zu Hauf.

Ich bin ja auch eher der Typ dafür, Gegenden selbst zu erkunden und scheue deshalb fertige Tourpakete. Aber in Anbetracht lebensgefährlicher Schlangenbisse oder der Tatsache, dass in den 5,5 Millionen Quadratmetern des Amazonas-Regenwaldes wohl kaum Wegweiser herumstehen, ändere ich meine Meinung sehr schnell. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich nicht, dass man sich auch mit einem Guide in den unendlichen Weiten des Dschungels verlaufen kann.

Auto – Speedboat – Minivan – Speedboat wiederholte der Reiseveranstalter mantramäßig. In dieser Reihenfolge sollten wir innerhalb von vier Stunden zu unserer Lodge mitten im Urwald kommen. Zunächst decken wir uns auf einem kleinen Markt am Hafen von Manaus noch mit dem Nötigsten ein: Regenmäntel (die nach kurzer Zeit auseinanderfielen) und Sonnenhüte (die wir irgendwie immer zur unpassenden Zeit dabei hatten).

Speedboat Nr 1

Dann ging es aufs Speedboat – und das hatte auch tatsächlich Speed! Alle Gewichte in Form von Gepäck und Menschen mustsen gut verteilt sein, sonst würde das kleine Boot kentern. Nach kurzer Fahrtzeit erreichen wir die „Meeting of the Waters“ – das ist die Stelle, an der der Rio Negro auf den Amazonas trifft. Und das sieht man auch sehr deutlich:

Meeting of the waters – hier trifft der Amazonas auf den Rio Negro

Lass Lola lenken!

Wir legen an. Das ist der Moment, in dem ich denke ich bin in der Truman-Show. Schon von weitem erspähe ich eine Einheimische, die ein T-Shirt mit dem Schriftzug „Sara“ trägt – direkt daneben ein Boot, das zum Verkauf steht, mit dem Namen „Rebecca“. Na das ist doch mal ein netter Empfang für uns ;-).

Übrigens: Die schwimmende Insel mit dem gelben Dach dahinten ist ne Tankstelle

Eine einzige asphaltierte Straße führt weiter hinein in den Dschnugel, am Straßenrand ein paar alte Verkaufsbuden mit rohem Fleisch, Konserven und Toilettenpapier, also eigentlich mit allem Krimskrams, den man irgendwann später in den Tiefen des Amazonas nicht mehr so leicht bekommt.

Lola heißt die Fahrerin unsere Kleinbusses. Eine dynamische Frau mit hochhackigen Schuhen, übertriebenen Make-up, langen bunten Nägeln und viel Klimbim an Hals und Ohren. Auf den ersten Blick würde man eher denken, dass sie in einer Drogerie arbeitet, als dass sie den Van durch den Urwald-Matsch jagt.

Aber Lola hat’s drauf. Sie manövriert nicht nur unseren Bus über die matschigen Wege, sondern als ein Bus vor uns im Schlamm stecken bleibt, springt sie kurzerhand aus dem Van, zieht ihre Schuhe aus, krempelt die Ärmel hoch (ja, sie hatte bei gefühlt 100 Prozent Luftfeuchtigkeit und über 30 Grad Außentemperatur tatsächlich etwas Langärmliges an!) und fährt den fremden Bus aus dem Schlamm.

Unterwegs nehmen wir immer mal wieder ein paar Anhalter mit, denn so wirklich öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht. Oder besser gesagt, wir sind das öffentliche Verkehrsmittel. Nach über zwei Stunden Fahrt kommen wir wieder am Ufer eines Flusses an. Die letze Etappe: Noch einmal Speedboot.

Lodge-Leben oder: Was man so den ganzen Tag im Dschungel macht

Leicht verschwitzt erreichen wir nach unsere vierstündigen Reise die Lodge. Herzstück dieser Lodge ist eine kleine Bar, die liebevoll von Tucano betrieben wird. Was macht man denn nun den lieben langen Tag im Amazaonas-Regenwald?

Tucano!

Auf den unzähligen Flussarmen herumschippern

Das Leben im Amazonas findet fast ausschließlich auf und um den Fluss statt. Die beste, bzw. oft einzige Möglichkeit den Urwald zu erkunden ist mit dem Boot. Mit einem kleinen Boot durch die viele Flussarme schippern ist herrlich – durch den Schilf, unter Baumkronen hindurch, bei Regen und knallender Sonne im minütlichen Wechsel. Hier und da erspäht man einen seltenen Vogel, hält nach Faultieren und Affen Ausschau: Das ist Amazonas at its best!

    

Piranhas fischen

Also eines vorweg – ich war in dieser Disziplin ne ziemliche Niete. Aber es macht trotzdem irgendwie Spaß und ist natürlich auch spannend, wenn man weiß, dass unter dem Boot hunderte Piranhas schwimmen. Also den Finger besser nicht ins Wasser stecken. Dafür aber eine Angel mit einem kleinen Stückchen Fleisch am Haken – dann beißen die kleinen Scharfzähne ruckzuck an. Und dann gilt es: Schnell und im richtigen Moment die Angel rausziehen und den Fisch an Bord bringen. Und das beste: Im Anschluss kann man die frische gefangenen Piranhas braten und verspeisen!

Mit Baby-Kaimanen kuscheln

Nachts, wenn es dunkel ist, funkeln die Augen Tausender Kaimane wie Diamanten an den Flussrändern. Die kleinen kann man sogar auf den Arm nehmen!

Indigene Völker besuchen

Ein Programmpunkt, dem ich persönlich zwiespältig gegenüberstehe. Man lernt einiges über die Lebensweise der indigenen Bevölkerung, anderseits hat es auch etwas von „wir gucken uns die an“. Aber dazu hier ein paar interessante Dinge, die ich mitgenommen habe:

Die Local People, wie sie genannt werden, erhalten für den Besuch von Touristen Geld. Dabei wird jeder Besuch von Touristengruppen offiziell in einem Buch in Manaus eingetragen, sozusagen als „Guthaben“, das dann von den Local People in Manaus gegen Cash eingelöst werden kann. Was sich zunächst zeimlich kapitalistisch und „unidyllisch“ anhört, macht aber auf den zweiten Blick durchaus Sinn: Es soll ein zusätzlicher Wirtschaftszweig zur Landwirtschaft ausgebaut werden.

Die Local People kennen sich untereinander gut. Sie verkaufen sich daher landwirtschaftliche Produkte auch nicht gegenseitig, sondern tauschen. Der Verkauf solcher Erzeugnisse erfolgt nur auf Märkten in Manaus. Zusätzlich kommt öfter Mal ein Schiff aus Manaus vorbei und sammelt die Waren ein, damit diese in Manaus weiterverkauft werden. In Anbetracht dessen, dass es zunehmend schwieriger im Amazonas-Gebiet wird, Landwirtschaft zu betreiben, ist der Ausbau des Tourismus vielleicht keine schlechte Ergänzung.

Durch den Urwlad streunen

Wenn man nicht mit dem Boot unterwegs ist, gibt es auch die Gelegenheit, durch den Urwald zu wandern. Über Stock und Stein, durchs Gebüsch und über Baumstämme – ein gutes Workout bei der hohen Luftfeuchtigkeit. Also am besten viel zu trinken einstecken und viiiiieeeel Moskitospray 😉 Und natürlich niemals alleine ohne Guide gehen!!!

 

Na wen haben wir denn da?

Im Dschungel unter freiem Himmel übernachten

In die tiefschwarze Nacht des Dschungels einzutauchen und sich von den gewaltigen Naturgeräuschen in den Schlaf singen zu lassen ist ein einmaliges Erlebnis. Das war allerdings nicht der Grund, warum meine Übernachtung im Dschungel zum einmaligen Erlebnis wurde. Lest hier die ganze Geschichte zur Nacht im Urwald.

Unser Nachtlager – wäre schön, wenn man dann am Ende auch da schläft

 

 

 

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