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Hey! Mr. Policeman…

Die Hauptsehenswürdigkeit von Rivne liegt knapp 30 Kilometer außerhalb in einer anderen Stadt. Was also tun an einem Ort, der absolut nichts zu bieten hat? Fest steht: Man sollte sich besser nicht in einem öffentlichen Park betrinken – denn das gibt Ärger.

Der Charme der Sowjetunion ist hier überall zu spüren – Zentrum von Rivne, Ukraine

Warum Rivne?

Die ukrainische Stadt Rivne ist ein typischer Fall von „Warum fährst du dahin“. Ich kann es euch sagen: In der Nähe, im kleinen Örtchen Klewan, liegt der „Tunnel of Love„. Was das ist, und ob es sich gelohnt hat dorthin zu fahren – das lest ihr im nächsten Blogpost. Hier möchte ich mein ganzes Herzblut in die Beschreibung einer Stadt stecken, die vor Langeweile und Tristesse strotzt – aber irgendwie auch ganz witzig ist.

Rivne: Ostblock-Vibes und postsozialistische Baukunst

Fangen wir also an mit den schönen Dingen in Rivne. Es gibt einen echt guten Wereniki-Laden und einen soliden Burgerladen („Tarentinos“). Wer aber richtig cool sein will, der geht ins „Fortissimo“ – denn hier tummelt sich die High Society von Rivne. Überhaupt laufen hier viel mehr aufgetakelte Menschen rum als in Lviv oder Kiew – aber: Warum? Wofür? Für wen? Hier passiert doch nichts…Ich mein, wer Oberviechtach (wo ich ertsmal googlen musste wo das liegt) in Deutschland als Städtepartner hat…

Wareniki – leckere traditionelle Teigtaschen mit Beerenfüllung
Willkommen im Osten

Ansonsten überzeugt die Stadt durch ihre grauen Hochhäuser, maroden Einkufszentren und post-sowjetischen Parks. Aber es muss ja nicht immer alles schön sein – shabby chic hat schließlich auch seinen ganz besonderen Reiz. Und sind wir mal ehrlich: So richtig runterkommen kann man doch nur an einem Ort, an dem keine Sehenswürdigkeiten sind. Sonst hat man doch immer das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Das passiert hier nicht!

Don’t drink and walk!

Die Sonne scheint, die einzige Sehenswürdigkeit ist abgehakt – Warum also nicht mal so richtig aoszial mit nem Bier ausm Supermarkt den Stadtpark erkunden?

Wir schaffen es genau fünf Minuten und fünf Schlücke, als drei Polizisten auf Fahrrädern uns den Weg abschneiden. Zunächst dachte ich, denen wäre auch so langweilig – weil was machen drei Polizisten auf einmal in Rivne so den ganzen Tag?

Doch dann stellte sich heraus, dass wir soeben eine Straftat begangen hatten. Denn Alkoholkonsum an öffentlichen Orten ist in der Ukraine (in Polen übrigens auch) verboten.

Da hatte ich meinen Drink noch und fand Rivne anscheinend noch cool

Zunächst glauben sie mir nicht, dass ich Deutsche bin. Sie denken ich sei aus der Urkaine, wissen genau, was ich da gerade tue. Bis ich überhaupt verstehe, dass ich da was Illegales getan habe, dauert es noch eine Weile. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass die Polizisten aus Langeweile Smalltalk mit Touristen suchen.

Nachdem wir dann unsere Ausweise gezeigt haben, beginnt die Diskussion. Es gibt einen „bösen“ Polizisten (wahrscheinlich der Chef), der uns eine Standpauke hält, während die anderen beiden Polizisten das alles nicht so ernst nehmen, aber nichts sagen dürfen.

Dann droht uns der „böse“ Polizist mit der Strafe: Umgerechnet 2,90 Euro sollen wir in einer ukrainischen Bank bezahlen (aus Korruptionsgründen dürfen die Polizisten kein Geld annehmen, wobei ich mich frage, wie sich Korruption bei 2,90 Euro überhaupt lohnen soll). Wenn wir das nicht tun, dürften wir das Land nicht verlassen. Ich muss mich zusammenreissen, nicht laut loszulachen.

Danach reden wir über etwas anderes, verquatschen uns. Eben doch Smalltalk. In einer künsltichen Diskussion entscheiden die Polizisten schließlch, dass sie gnädig mit uns sind. Wir werden nur verwarntund müssen keine 2,90 Euro zahlen. Die beiden „guten“ Polizisten können sich auch bald kein Lachen mehr unterdrücken. Wir auch nicht.

Wollt ihr nicht ein Selfie mit der ukrainischen Polizei?

Anschließend fragen sie uns, ob wir nicht Lust hätten, ein Foto mit ihnen zu machen. Weil das ja etwas Besonderes ist, so ein Foto mit der ukrainischen Polizei. Ich frage den „guten“ Polizisten, ob er nicht seine Handschellen auspacken könnte und sie mir für das Foto anlegen könnte. Er greift schon danach, als ihn der „böse“ Polizist ermahnt. Schade – daher gab es als Erinnerung nur ein langweiliges Foto, wo ich komische gucke, weil ich nicht weiß, wie man auf so einem Foto gucken soll.

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