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Urlaub im Nordirak: Ist eine Reise nach Irak-Kurdistan gefährlich?

Der Irak steht nicht unbedingt an erster Stelle, wenn es um die Wahl des nächsten Reisezieles geht. Trotzdem scheint ihr euch für eine Reise in den Irak bzw. in die Autonome Region Kurdistan zu interessieren, sonst wärt ihr wahrscheinlich nicht hier gelandet, oder?

Natürlich kann ich euch keine 100-Prozentige Garantie geben, aber vielleicht hilft euch meine Einschätzung zur Sicherheitssituation in Irak (Kurdistan) weiter, was eure Urlaubs- / Reisepläne nach Kurdistan betrifft.

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Die kurdische Flagge sieht man im Nordirak häufiger wehen als die Irakische

Wie ist die Sicherheitslage in Kurdistan-Irak?

„Waaaas, du fährst in den Irak?!“ – die Reaktionen werden wahrscheinlich nicht besonders positiv ausfallen, wenn ihr Freunden und Verwandten von euren Urlaubsplänen erzählt. Wenn überhaupt jemand reagiert hat (und nicht nur geschluckt oder mich schockiert angestarrt hat), so waren die Reaktionen ausschließlich negativ oder besorgt.

Grund für die negative Wahrnehmung von Irak ist vor allem die fast ausschließlich negative Berichterstattung aus der Region, die zumeist geprägt ist von Krieg und Terror. Nicht zuletzt haben die Gräueltaten des Islamischen Staats  dafür gesorgt, dass insbesondere der Nordirak als Tourismusregion in Verruf geraten ist.

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Im Norden des Nordirak, nahe Amediye

Seit Dezember 2017 ist der IS aus dem Nordirak vertrieben, zu dem Zeitpunkt hatte er bereits 95 Prozent seines Territoriums verloren. Einen großen Beitrag dazu leisteten die Peschmerga, das kurdische Militär, die auch heute noch in Form von Checkpoints und Straßenkontrollen für die Sicherheit im Land sorgen.

Seitdem ist die Region Kurdistan relativ sicher zu bereisen. Auch das Auswärtige Amt zieht – was die Sicherheitslage betifft – eine klare Trennlinie zwischen Kurdistan-Irak und Zentral-Irak.

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„Einflugsschneise“ nach Erbil, außerhab der Stadt gibt es mehrere Checkpoints

Hin und wieder gibt es Nachrichten über Raketenangriffe seitens der türkischen Regierung auf kurdische Militärcamps. Diese Art von Angriffen seitens der Türkei (bzw. der Konflikt zwischen der Türkei und der PKK, das Hauptquartier der PKK liegt in den Kandil-Bergen im Nordirak)  gibt es bereits seit mehreren Jahrzehnten.

Diese Stützpunkte befinden sich jedoch meist in den Grenzregionen zur Türkei oder Syrien. Deshalb sollte man während seiner Kurdistan-Reise nicht in die direkten Grenzregionen reisen, sondern auf der typischen „Touristenroute“ bleiben.

> Eine Route für 7 Tage Kurdistan habe ich hier zusammengestellt.

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Im Norden des Nordirak, nahe Siriye

Vor kurzem gab es das erste Mal einen Angriff seitens der Türkei, bei der auch Touristen getötet wurden. Hier gibt es einen Artikel dazu:

https://www.dw.com/de/viele-opfer-bei-angriff-auf-touristenregion-im-nordirak/a-62545291

Der Angriff ereignete sich in Zaxo, die letzte Stadt vor der türkischen Grenze.

Irak ist nicht gleich Irak

Bürgerkrieg, Terror, Bombardierungen, Entführungen: Viele negative Nachrichten, die uns aus dem Irak erreichen, stammen nicht aus der Region Kurdistan. Auch das Auswärtige Amt zieht die Sicherheitslage betreffend eine klare Linie zwischen dem Zentralirak und der Region Irakisch-Kurdistan. Während für den Zentralirak eine Teilreisewarnung besteht, gilt die Region Kurdistan als sicher bereisbar.

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Saddam Husseins alte Villa

Sicherheitstechnisch ist der Nordirak wie ein eigenes Land zu betrachten. Grund dafür ist vor allem das kurdische Militär, Peschmerga genannt. Die Präsenz der Peschmerga im Land  ist massiv, es gibt unzählige Straßen-Checkpoints, an denen sie Pässe und Autos kontrollieren. In den Städten sieht man sie mit schweren Waffen.

Wichtig zu bedenken: Auch wenn die Waffen und die starke Militärpräsenz zuerst Unbehagen auslösen; die Peschmerga kümmern sich um unsere Sicherheit und sind keine Bedrohung für uns.

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Peschmerga bewachen rund um die Uhr die Ruinen der alten Villa Saddam Huseins

Persönliche Wahrnehmung: Sicherheit in Kurdistan

Ich habe mich während meiner gesamten Reise in Kurdistan äußerst sicher gefühlt. Es gab zu keinem Zeitpunkt eine angespannte oder nur annähernd gefährliche Situation. Die Menschen sind unglaublich hilfsbereit und nicht aufdringlich.

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Unterwegs sprechen einen immer wieder Kinder an, die Englisch üben wollen!

Auch nachts kann man ohne Bedenken durch die Straßen laufen, dennoch sollte man menschenleere Straßen (wie bspw. das Marktviertel in Erbil) mit Beginn der Dunkelheit meiden.

Zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl, dass mich jemand beklauen oder ausrauben würde, auch nicht in den großen Städten wie Erbil oder Duhok. Im Gegenteil: Hätte ich etwas verloren, dann bin ich mir sicher, dass mich die Menschen eher darauf aufmerksam gemacht hätten.

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Auf der Straße getroffen und prompt eingeladen: Die Gastfreundschaft im Irak ist grenzenlos

Reisen als Frau im Irak (Kurdistan) – ist es gefährlich?

Wenn man (alleine) als Frau reist, kommen jedes Mal zusätzliche Sicherheitsthemen auf.

Gerade für Frauen stellen sich nämlich noch ganz andere Fragen: Sind die Menschen aufdringlich? Kann ich nachts alleine durch die Straßen laufen? Kann ich bedenkenlos mit dem Taxi fahren? Wie komme ich am sichersten von A nach B?

Ich habe mich als Frau im Nordirak sehr sicher gefühlt – vielleicht sicherer, als in vielen anderen Teilen dieser Welt.

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Spontan auf einen Tee eingeladen!

Die Menschen in Kurdistan sind nicht aufdringlich – ganz im Gegenteil: Sie sind super hilfsbereit und zurückhaltend. Anders als bspw. im Kaukasus oder Südamerika habe ich mich zu keiner Zeit belästigt oder verfolgt gefühlt. Wenn man Hilfe oder Angebote abgelehnt hat, wurde dies akzeptiert.

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In diesem kleinen Laden gibt es super leckeres eingelegtes Gemüse! Wir haben einen großen Batzen geschenkt bekommen – einfach so!!

Hat man hingegen eine Frage oder kommt nicht weiter, ist die Hilfsbereitschaft grenzenlos. Dann wird der Bruder oder die Tante angerufen, wenn man selbst nicht weiter weiß, oder man wird an einen Freund vermittelt, der im Notfall Unterstützung vor Ort bietet.

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Wenn man nicht die gleiche Sprache spricht, hilft Google Translate oder ein Lächeln 🙂

Auch Taxifahren war für uns als Frauen kein Problem. Zwischen den Städten fährt man am besten mit einem privaten Taxi – aber nicht aus Sicherheitsgründen, sondern vor allem, damit man auf dem Weg kleinere Orte wie bspw. Lalish und Alqosh besuchen kann.

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