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Wie ist es eigentlich so… Grund für einen Messerangriff zu sein?

Eigentlich wollten wir nur vier Tage in der Stadt am Bosporus verweilen. Doch das wäre der Realität natürlich zu langweilig gewesen. Stattdessen saßen wir aufgrund des größten Schneesturms seit 26 Jahren in Istanbul fest – und alle bezahlbaren Unterkünfte waren ausgebucht.

Einzug in die türkische 4-er Männer-WG

Glücklicherweise kamen wir kostenlos in der privaten WG unseres vorherigen Hostel-Besitzers unter. 4-er Männer-WG, irgendwo in Istanbul. Wir hatten absolut keine Ahnung, wo wir jetzt offiziell „wohnten“ – nicht einmal den Stadtteil oder den Namen einer nahegelegenen Metro-Sation kannten wir. In einer Nacht-und-Nebelaktion waren wir in die WG gekarrt worden – und damals einfach nur dankbar, ein Dach über dem Kopf zu haben.

Es ist nicht immer leicht, mit vier Typen auf engstem Raum zu hausen. Es hatte vorher schon einige Spannungen gegeben. Die 4-er Männer WG war jetzt auch keine riesige Penthouse Wohnung und so hockte man ziemlich aufeinander. Aber wir rauften uns zusammen – schließlich wollten wir uns nicht gerade mit dem Besitzer einer Unterkunft in so einer prekären Situation streiten. 

Eigentlich wollten wir nur zusammen feiern…

Nachdem aus unseren geplanten vier Tagen inzwischen acht geworden waren, ergatterten wir endlich einen Rückflug nach Deutschland. Den letzten Abend wollten wir alle gemeinsam feiern. Dass unsere letzte gemeinsame Party so eskalieren würde, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht.

Wir gingen in eine Karaoke-Bar und ziemlich schnell wurde deutlich, dass unser Gastgeber uns nur hierhin gebracht hatte, um sich mit uns zu zeigen. Ständig ging er weg, redete mit irgendeinem Bekannten und deutete immer wieder aus der Ferne auf uns, so nach dem Motto: Die da gehören mir.

Wir durften mit niemand anderem reden und sollten ihm schön auf Schritt und Tritt folgen. Darauf hatten wir aber nun wirklich keinen Bock. Wir waren schließlich nicht seine Haustiere. Selbst wenn er ein paar Meter weiter wegstand, merkten wir wie sein Blick prüfend an uns haftete.

„Neue Freunde“

Wir wollten mit ihm anstoßen, doch er war viel zu beschäftigt, vor seinen Bekannten zu prahlen – ohne uns seinen Leuten überhaupt persönlich vorzustellen. Also beschlossen wir, uns neue Freunde zu suchen. Das war jetzt als blonde Frauen in der Türkei nicht sonderlich schwer.

Nur nach wenigen Minuten hatten wir neue Freunde – und das wurde auch ziemlich schnell bemerkt. Der Gesichtsausdruck unseres Hosts signalisierte uns, dass seine Laune binnen Sekunden bereits den Gefrierpunkt passiert haben musste. Der Zorn war ihm ins Gesicht geschrieben. Doch was viel ungünstiger war: Er machte Anstalten, abzuhauen! Das wiederum wollten wir natürlich nicht riskieren – schließlich waren alle unsere Sachen noch in seiner Wohnung. Also gingen wir zu ihm, um ihn zu besänftigen.

Der Angriff

Doch im gleichen Moment kam die Gruppe Jungs, unsere angeblichen neuen Freunde, hinterher und fragten uns vor den Augen unseres Gastgebers, ob wir mit ihnen mitkämen.

Da brannten die Sicherungen unsere Hosts endgültig durch: Er stürmte auf einen der Jungs zu um ihn am Kragen zu packen – doch plötzlich zückte dieser ein Messer und drängte ihn so weit zurück, dass er mit seinem Rücken lautstark gegen die Theke prallte. Der junge Türke hielt das Messer so nah an sein Gesicht, dass sich vor meinem Auge alles nur noch in Zeitlupe abspielte. Man könnte auch sagen: Wow, this escalated quickly. Nur, dass mir in diesem Moment regelrecht die Worte fehlten.

Inzwischen waren auch die übrigen Jungs auf unseren Gastgeber zugestürmt und umzingelten ihn, der eine immer noch das Messer an seinem Gesicht haltend. Beide Parteien waren so aggressiv (ach Männer….), dass ich dachte, der sticht jede Sekunde zu! Der Typ fuchtelte auch so wild mit dem Ding rum und schrie irgendwas auf Türkisch, hätte ihn ja auch aus Versehen treffen können…

Zum Glück gab es zwei Türsteher. In Windeseile liefen sie auf unsere Gruppe zu und trennten rabiat die Parteien. Danach schmissen sie alle Jungs (auch unseren Host) aus dem Club.

Obdachlos in Istanbul?

Wir durften bleiben – und exten auf den Schrecken erst einmal unser Bier. Dann wollten wir auf die Suche nach unserem Gastegeber gehen – doch wir bemerkten ziemlich schnell, dass er sich aus dem Staub gemacht hatte. Komplett. Waren wir am Ende etwa obdachlos in Istanbul?

Dunkel, nass, kalt. Mitten in der Nacht, ohne unsere Sachen und ohne Haustürschlüssel zur WG stapften wir wütend zum Taksim Platz. Ich versuchte unsere Gastgeber zu erreichen. Aber der war augenscheinlich angepisst. Dabei hatten wir doch eigentlich gar nichts gemacht? (ach Frauen….).

Nach einer halben Stunde meldete er sich. Na gut, immerhin etwas Reue. Er war schon zu Hause, doch lotste per Telefon ein Taxi für uns direkt bis zur WG. Angekommen sprachen wir kein Wort. Gut, dass dies unser letzter Abend war. Man kann nicht mit jedem in Freundschaft auseinandergehen.

 

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