AfrikaÄthiopien

Bahir Dar: Die Côte d’Azur Äthiopiens

Man nehme ein paar Palmen, einen großen See und zwei Dutzend mystische Kloster – fertig ist Bahir Dar. Die Stadt bietet eine willkommende Abwechslung zum wuseligen „Addis“, wie die Äthiopier ihre Hauptstadt einfach nennen.

Äthiopien hat keinen Zugang zum Meer – ist sozusagen ein landlocked country. Und obwohl es in Äthiopien keine Küste gibt, so gibt es doch einen Ort, der – wenn man ein paar Augen zudrückt – als eine Art Riviera Äthiopiens durchgehen könnte: Bahir Dar am Tana-See.

Bootsanlegestelle am Tana-See

Die Luft in Bahir Dar ist wärmer und etwas feuchter als in Addis Abeba. Wir verlassen den Bus, quetschen uns vorbei an den Bettlern und Schleppern und laufen entlang der mit Palmen gesäumten Straße zu unserem Hotel. Schnell wird klar: Wir sind raus aus dem Großstadtsumpf. Auch wenn Bahir Dar kein Monacao und kein Barcelona ist: Es ist tausend Mal schöner und entspannter als die äthiopische Hauptstadt. 

Tana-See – mit dem Bötchen über den größten See Äthiopiens

Der Tana-See oder auch See-See (denn „Tana“ ist das amharische Wort für „See“ ;-)) ist der größte See Äthiopiens und der drittgrößte Afrikas. Ihn einmal komplett mit dem Boot zu überqueren würde sechs Stunden dauern.

Fischer mit seinem Papyrusboot

Den See erkundet man am besten mit dem Boot. Auch wir machen uns auf und unser „Captain“Atalay manövriert uns über den See. Wir begegnen Fischern auf Papyrusbooten und einem Nilpferdpärchen, das munter im See planscht.

Nilpferde

Nur eine Viertelstunde Fahrt mit dem Bötchen entfernt befindet sich die Mündung des Blauen Nils. Drumherum viel Schilf, welcher auch auf der Straße und den Märkten verkauft wird. Zuerst dachte ich mir: Warum kauft man das Gestrüpp denn? Aber es stellte sich heraus, dass diese Art Schilf für die Zubereitung des traditionellen äthiopischen Kaffees auf den Boden verstreut wird.

Schilf
Wir haben Hunger Hunger Hunger

Kleine Inseln, mystische Klöster

Auf 20 von 30 Inseln im Tana-See befinden sich alte Klöster, die teilweise noch aus dem 14. Jahrhundert stammen. Besonders beeindruckend sind die Klöster auf der Zege Halbinsel, wie bspw. Bete Maryam und Ura Kidane Mehret.

Bete Mariam von außen

Man kann sich gut so zwei bis drei Stück davon anschauen – je nach Zeit. Danach wird es meiner Meinung nach etwas, wie soll ich sagen, repetitiv. So nach dem Motto kennste eins, kennste alle.

Im Ura Kidane Kloster

Bei den Kirchen handelt es sich um Rundbauten aus Holz – also ganz anders als „unsere“ christlichen Kirchen. Im innersten Teil der Kirche liegt eine Kopie der Bundeslade – sie ist nur den Priestern zugänglich. Der mittlere Teil ist geöffnet für Gottesdienste und der äußerste Ring ist jederzeit zugänglich.

Hier sind die Wände mit bunten Handmalerein versehen, die Bibelgeschichten darstellen. Interessant ist, dass alle Ungläubigen und Verräter von der Seite porträtiert wurden – alle anderen Menschen und Heilige von vorne.

Priester in langen gelben Gewändern und großen Holzkreuzen streifen umher, ein paar kleine Kinder spielen im Schatten. Die Ruhe der Mittagshitze lastet auf dem Holzgebäude, das inmitten tausender Kaffeepflanzen steht. Wenn man mehrere Klöster auf der Zege Halbinsel besucht, kann man über kleine Trampelwege durch die dichte Pflanzenwelt laufen.

Auf dem Weg nach Bete Maryam

Es ist durchaus sinnvoll, einen Guide dabei zu haben, der einen die historischen Fakten mitliefert. Aber auch hier wieder beachten: Lasst euch nicht abziehen. Guides verdreifachen gerne mal den Preis. Informiert euch am besten vorher in eurer Unterkunft, wie viel es ungefähr kostet, damit ihr eine gute Verhandlungsbasis habt.

Außerdem – auch bei den Stories gilt: Kennste eine, kennste alle. Unser Guide war auch manchmal wie eine kaputte CD. Da kamen irgendwann keine neuen Infos, sondern die Geschichten wurden einfach im Wortlaut an jedem Kloster wiederholt. Gähn.

Blaue Nil Wasserfälle – nicht besonders blau

Die Kloster-Tour kann man gut an einem Vormittag machen. Vormittags ist es auch besser, da es abends meistens zu windig wird. Nachmittags ging es für uns zu den Blue Nile Falls – also den Wasserfällen des blauen Nils.

Mit dem Auto geht es über eine Schotterpiste vorbei an Slums und Feldern, die Fahrt dauert ca. 30 – 45 Minuten. Am Eingang werden wir wieder von unzähligen Menschen belagert, die nur eines wollen: Unser Geld.

Wir entscheiden uns für einen der Guides (schon allein, um damit die anderen Guides von der Backe zu haben) und machen uns auf zu einer Mini-Wanderung zu den Wasserfällen.

Da die Regenzeit erst begonnen hat, sind die Wassermengen mau und braun. Also nix da blauer Nil 😉 Zusammen mit dem Weißen Nil, der in Uganda entspringt und mit dem Blauen Nil in Khartum (Sudan) zusammenfließt, bilden die beiden Flüsse den Nil, der weiter durch Ägypten fließt.

Blue Nile Falls

Ausspannen in Bahir Dar: Empfehlungen für Unterkunft und Essen

Zum Schafen

Das Delano Hotel ist die beste Unterkunft, die wir in ganz Äthiopien hatten. Während der Nebensaison haben wir 10 Euro pro Person / Nacht bezahlt für ein Hotel, das geradezu luxuriös ist! Die Zimmer sind tiptop sauber, modern und hell. Das Personal ist super nett und hilfsbereit, außerdem können Touren zu den Klöstern und den Blue Nile Falls gebucht werden. Auch das Essen im Hotel ist sehr gut.

Blick vom Balkon über Bahir Dar

Für die Aussicht

Die Desset Lodge befindet sich direkt am Ufer des Tana-Sees. Von hier genießt man einen wunderschönen Blick über den See. Das Essen soll eins der besseren sein in Bahir Dar, allerdings war unseres so lala. Die Bedienung ist sehr zuvorkommend.

Auf einen Kaffee

Ours Café ist ein richtiges Stadt-Café. Von den kleinen Tischen auf dem umlaufenden Balkon kann man das Treiben auf der Straße beobachten. DIe Snacks und Getränke sind auch lecker!

Entspannen

Wer Massagen mag, findet in der Kuriftu Lodge das passende Angebot. Die Massagen sind gut, das Ambiente sauber und angenehm, die Massagen günstig (z.B. halbe Stunde ca. 4 Euro).

 

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