AfrikaÄthiopien

5 Dinge, die du bestimmt noch nicht über Äthiopien wusstest

Warum befindet sich Äthiopien noch im Jahr 2010? Was bedeuten die bunten Plastikhütchen vor äthiopischen Hütten? Diese und weitere lustige Dinge über Äthiopien erfährst du hier.

 

1. Wir schreiben das Jahr 2010…

Zeittafel mit Abflügen am Flughafen Axum

Addis Abeba, es ist der 5. Juni 2018 und ich bin soeben stolzer Besitzer eines Bustickets nach Bahir Dar geworden. Ich schaue mir das Ticket genauer an – Abfahrtsdatum: 30. September 2010. Was, 30. September 2010? Haben die mir das falsche Ticket ausgestellt? Panik macht sich breit – wurde ich gerade abgezockt? Irgendwann kommt mir ein Verdacht: Könnte es tatsächlich sein, dass es hier einen ganz anderen Kalender gibt?

In der Tat! Äthiopien hat einen eigenen Kalender. Der Zeitrechnung liegt, wie bei unserem Kaldener, die Geburt von Jesus Christus zugrunde – mit dem Unterschied, dass das Geburtstjahr Jesu anders berechnet wird. Man geht davon aus, dass Jesus im Jahr 5500 seit der Schöpfung geboren wurde und nicht wie bei uns vom Jahr 5493. Deshalb hinkt der äthiopische Kalender 7 bis 8 Jahre hinter unserem Kalender hinterher.

Der äthiopische Kalender hat sogar 13 Monate – deshalb sprechen die Äthiopier auch häufig von „13 months of sunshine“. Zwölf Monate haben 30 Tage und der 13. Monat fünf bzw. sechs Tage. Jahresbeginn ist übrigens nicht der 1. Januar sondern der 11., bzw. im Jahr vor einem Schaltjahr der 12. September. Da kann man am Anfang ruhig mal etwas verwirrt sein!

2. Hier ticken die Uhren anders

Sonnenuntergang in Lalibela – gegen 18 Uhr, bzw. zur 12. Stunde des Tages

…und das tun sie wortwörtlich! Denn wenn der Äthiopier beispielsweise von der 6. Stunde des Tages spricht, dann meint er nicht etwa 6 Uhr morgens – sondern 12 Uhr mittags. Hä? Ja, das kann durchaus am Anfang zu großer Irritation führen. Also, was hat es damit auf sich?

Der Tag beginnt für die Äthiopier nicht wie bei uns um Mitternacht – sondern dann, wenn die Sonne aufgeht. Und das ist – der Äquatornähe geschuldet – jeden Tag um 6 Uhr morgens. Demnach ist es nach äthiopischer Zählung zum Sonnenaufgang (also bei uns 6 Uhr) in Äthiopien 0 Uhr. Soweit, so gut. Sagen wir, ich nehme den Bus um 2 Uhr (zur 2. Stunde des Tages) in Äthiopien – wann würde er abfahren? Genau, um 8 Uhr morgens!

3. Heute eine Hütte, morgen eine Bar

„Bar“ im alten Teil von Axum

Wer durch die vielen kleine Dörfer und Städte Äthiopiens streift, dem fällt schnell auf, das vor vielen Hütten oder Wohnhäusern lange Holzstäbe stehen, auf dem ein umgedrehter, bunter Plastikbecher steckt. Diese bunten Hütchen sind keine Deko – sondern sie kennzeichnen eine Bar. Und zwar eine Bar, die nur vorübergehend existiert.

Hier gibt es Bier – Craft Beer sozusagen – und wenn man es einmal nüchtern betrachtet, ist Äthiopien in diesem Hype ums Selbstgebraute weit voraus. Denn jede Familie, die gerade Bier im Haus hat, stülpt den bunten Becher über den Holzstab und ist ab sofort eine Bar, in die jeder kommen kann und das selbstgebraute Bier trinken kann. Der Becher bleibt solange vor dem Haus, bis der letzte Schluck leergetrunken ist. Danach wird die einstige Bar wieder zum ganz normalen Wohnhaus und eine andere Hütte im Dorf wird zur Bar.

4. Waagenwirtschaft

Die Waage steht bereit

Auf den Straßen Äthiopiens gibt es alles mögliche zu kaufen und die Dienstleistungen reichen von Schuhe putzen bis hin geführten Touren durch ominöse Guides. Doch eine Sache fand ich etwas kurios: Überall auf der Straße stehen Waagen. Einfache Personenwaagen und ein Mensch dahinter, der dafür Geld nimmt. Aber wofür eigentlich? Die Antwort ist so unglaublich banal: Zum Wiegen. Menschen gehen zu den Waagenmenschen und zahlen Geld dafür, um sich selbst zu wiegen.

5. Von wegen das große Geld

Money, money, money

Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Welt – gleichzeitig habe ich in einem Land noch nie so viele ATMs gesehen, wie hier. Fällt mal wieder der Strom aus, muss man sich eine Bank mit Stromgenerator suchen, um etwas abzuheben. Was der Automat dann ausspuckt bzw. was man ausgezahlt bekommt, sieht auf den ersten Blick nach einem halben Vermögen aus.

Doch das täuscht. Tatsächlich ist die höchste Banknote, die man in Äthiopien abheben kann bzw. die es in Äthiopien gibt, umgerechnet gerade einmal 3,10 Euro wert (100 Birr). Wenn ich also irgendwo zehn 100-Birr-Scheine auf den Tisch knalle sind das vielleicht gerade einmal etwas mehr als 30 Euro.

Hinzu kommt, dass die Landeswährung außerhalb Äthiopiens nicht umgetauscht werden kann. Deshalb solltet ihr vor der Ausreise schön alles ausgeben oder einfach als Andenken behalten.

4 Gedanken zu „5 Dinge, die du bestimmt noch nicht über Äthiopien wusstest

    1. Vielen lieben Dank, Jürgen! Ich war bei all diesen Dingen am Anfang richtig verwundert – und egal wie gut man sich vorbereitet und einliest, es gibt immer etwas Überraschendes auf Reisen. Und das ist auch gut so 🙂

    1. Daaanke lieber Marcel! Es war wirklich sehr spannend und ich kann die nächste Reise kaum erwarten 🙂 Nächstes Mal quatschen wir nochmal ausführlicher über unsere Reisen! Bis bald!

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