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Wie ist es eigentlich so… in Äthiopien im Fahrstuhl stecken zu bleiben?

Es gibt wahrlich schönere Dinge, als in einem Fahrstuhl stecken zu bleiben. Aber wie ist das in einem Land, in dem man nicht genau weiß, wann der Strom eigentlich wieder läuft?

Früher habe ich mich nur in Glasaufzügen sicher gefühlt. Ich dachte, wenn man da drin stecken bleibt, bekäme man durch heftiges Winken, Schreien und Klopfen schnell Aufmerksamkeit – und würde ganz schnell gerettet werden.

Manchmal war ich auch einfach zu faul, oder es waren mehrere Leute mit im Aufzug, die ja dann mit mir zusammen sterben würden, wenn das Ding stecken bliebe. Jedenfalls waren mir die Dinger immer etwas suspekt, aber man arrangiert sich mit der Zeit. Schließlich ist ja nie etwas passiert – bis zu diesem einen Tag.

Strom ist in Äthiopien wie ein Glücksspiel – nur, dass man nie gewinnt

Wir standen im kleinen Aufzug in einem Hotel in Bahir-Dar, Äthiopien. Er schien vertrauenswürdig, doch das Stromnetz in Äthiopien ist es nicht. Mit einem Mal ging das Licht aus und der Aufzug machte einen großen Satz nach unten. Ich dachte schon der stürzt ab! Sowas passiert doch nur in Horrofilmen, oder? Wo diese Aufzugseile reißen? Ich musste mich ernsthaft zusammenreißen nicht zu schreien und in Panik auszubrechen.

Erst dann realisierte ich, was passiert war. Der Strom war wieder einmal ausgefallen – das passiert in Äthiopien gefühlt hundert Mal am Tag und man weiß nie, ob er in fünf Minuten oder erst in zwei Tagen wieder angeht. Egal ob ein Regentropfen auf ein Stromkabel fällt oder sich ein Vogel darauf setzt – das Stromnetz ist so labil, dass es selbst die kleinste Kleinigkeit zum Erliegen bringen kann.

Da standen wir also in diesem Ein-Quadratmeter-Aufzug und es war stockdunkel. Ich war kurz davor loszuheulen, aber das hätte ja rein gar nichts gebracht. Wir hörten Stimmen – sie kamen aus dem Foyer des Hotels. Wir waren also zwischen zwei Etagen gefangen. Und zumindest wussten diese Menschen doch dann auch, dass da Leute im Fahrstuhl waren, oder?

Zur Sicherheit riefen wir noch ein paar Mal „Hello, hello“ – aber so wirklich helfen konnten sie uns auch nicht. Also warteten wir. Und hofften, dass das Hotel einen Generator hatte – oder der Strom nicht mehrere Tage lahmliegen würde.

Dann plötzlich, nach gefühlt unendlichen Minuten –  von Null auf Hundert, sprang alles wieder an – Licht, die Knöpfe leuchteten wieder auf und der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung. Ihr könnt mir glauben, danach bin ich erstmal nur Treppen gelaufen. Aber ist ja auch gesünder 😉

 

 

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